Wassermetaphorik, Augensprache und Poetologie in Uwe Kolbes Gedichtband Die Farben des Wassers

Corkhill, A. (2007). Wassermetaphorik, Augensprache und Poetologie in Uwe Kolbes Gedichtband Die Farben des Wassers. In Gert Reifarth (Ed.), Das Innerste von aussen : zur deutschsprachigen Lyrik des 21. Jahrhunderts (pp. 91-107) Wuerzburg, Germany: Könighausen & Neumann.

Author Corkhill, A.
Title of chapter Wassermetaphorik, Augensprache und Poetologie in Uwe Kolbes Gedichtband Die Farben des Wassers
Formatted title
Wassermetaphorik, Augensprache und Poetologie in Uwe Kolbes Gedichtband Die Farben des Wassers
Translated title of chapter Water imagery, language and poetics in the eyes of Uwe Kolbe's book of poems The colors of the water
Language of Chapter Title ger
Title of book Das Innerste von aussen : zur deutschsprachigen Lyrik des 21. Jahrhunderts
Translated title of book The innermost part of the outside: the German poetry of the 21 century
Language of Book Title ger
Place of Publication Wuerzburg, Germany
Publisher Könighausen & Neumann
Publication Year 2007
Sub-type Research book chapter (original research)
Year available 2008
ISBN 9783826037788
3826037782
Editor Gert Reifarth
Chapter number 5
Start page 91
End page 107
Total pages 17
Total chapters 17
Collection year 2009
Language ger
Subjects B1
200512 Literature in German
950203 Languages and Literature
Formatted Abstract/Summary
Der mehrfach preisgekrönte Lyriker, Essayist, Übersetzer und Kriminalromanautor Uwe Kolbe, 1957 in Ostberlin geboren, gehört zur Künstler-Generation vom Prenzlauer Berg. Er veröffentlichte seine ersten Gedichte 1976 auf Vermittlung Franz Fühmanns in Sinn und Form. 1988 zog er in den Westen. Von 1997 bis 2003 leitete er das studio Literatur und Theater in Tübingen. 2004 nahm er am Sydney Writers' Festival teil und war im Jahr darauf Stadtschreiber im brandenburgischen Rheinsberg.

Auf den ersten Blick erscheint der Titel von Kolbes Gedichtband Die Farben des Wassers (2001) etwas irreführend. Von den 46 meist reimlosen und freirhythmischen Einzelgedichten trägt nur je eines das Wort "Farbe" bzw. "Wasser" in der Überschrift. Nur die schlusszeile des einstrophigen "Anders variiert" spricht von "der einen Farbe des Wassers" (Zeile 15), ohne jedoch die eigentliche Farbe zu präzisieren. Kolbe verzichtet auf eine breite Palette konventioneller Farbassoziationen. "In dem Buch geht es eigentlich nur um Wasser. Und um Augen" (so Kolbe im Rahmen einer Lese-Tournee); daher spielen Farben in der wiederkehrenden Wassermetaphorik dieser Sammlung so gut wie keine Rolle: das Spiel von Licht und Schatten auf der Oberfläche des jeweiligen Gewässers etwa, oder die Spiegelungen von Himmelsblau im Wasser, oder sogar die Farbtöne von Wasserpflanzen gehören ebenso wenig zum Bildinventar Kalbes wie Wasser trübende Substanzen wie Öl oder toxische Chemikalien, auf die sich Kolbe in seiner früheren Ökolyrik berief.

Bei genauerem Hinsehen geht es dem Dichter eher um die Flussgeschwindigkeit, die Textur, die Konsistenz von Wasser sowie um dessen Tiefe, ganz buchstäblich wie auch im übertragenen Sinne. Nicht einmal der Refrain aus Eduard Mörikes Gedicht "Um Mitternacht", den Kolbe dem Band als bedeutsames intertextuelles Zitat voranstellt, setzt Wasser in Beziehung zum Farbspektrum. Beiden Lyrikern ist vielmehr eine Vorliebe für die akustisch-musikalischen Eigenschaften des Wassers gemeinsam. Bei Mörike lesen wir: "Essingen die Wasser im Schlafe noch fort / Vom Tage, / Vom heute gewesenen Tage"; und Kolbe hat unlängst gestanden: "Wenn ich eine Botschaft [für die Lyrik] hätte, dann wäre es nur noch Klang", und andernorts: ,,(... ] ein Gedicht [ist] für mich in jedem Fall auch Klang, Musik, Rhythmus." Kolbe wäWt nicht zufällig die Anfangssequenz des Mörike-Refrains ("Doch immer behalten die Quellen das Wort") als Motto für seinen Band, denn am Beispiel der als poetologisch einzustufenden Gedichte des Bandes erprobt Kolbe die zeitgemäße Legitimation dieser spätromantischen Aussage über den autonomen Stellenwert der Kunst.

Poetologische Lyrik seit Klopstock artikuliert Aspekte der Dichtungs- und Sprachtheorie ihres Autors, bietet aber zugleich ein spraclich-ästhetisches Mediumd erselbsterkenntnis. Auffälligerweise bilden Schreibpraxis, Rezeption, Wirkungsästhetiksowie die Frage des literarischenGeschmacks einer weniger sprachsensitiv bzw. lyrikempfänglich gewordenen öffentlichkeit den thematischen Kern von mehreren scWüsseitexten des Kolbesehen Lyrikbandes, die es unter besonderer Berücksichtigung der Wasser-Bildlichkeit als chiffre für das dichterische Element schlechthin zu analysieren gilt (Abschnitt II dieses Kapitels). Dabei erweist sich, dass der am häufigsten erwähnte Wasserlauf der Bach ist; zum sonstigen wasserbezogenen Repertoire Kolbes gehören Regen, Brunnen, Fluss, Sumpf, Kanal und Schlamm.

In Abschnitt III gehe ich auf die lyrische Gestaltung des Augenmotivs näher ein, dessen Wortfeld die Substantive Blick, Spiegel und Kameraobjekt sowie die optischen Wahrnehmungsverben (an)schauen, sehen und blicken umfasst. Beachtenswert ist, dass die Perzeptionsproblematik sowohl epistemologische als auch poetologische Fragestellungen in den Mittelpunkt rückt, die in einigen von Kolbes gedankenlyrischen Texten verarbeitet werden. Das sehende Auge entpuppt sich trotz der Versprechungen des Bandtitels als farbenblind, bewegt sich - im eigentlichen Wortsinn oder auch metaphorisch - in einer Grauzone. Davon zeugt, dass synästhetische Bilder nur spärlich vorkommen.
Q-Index Code
Keyword Literature in German
German Poetry
Uwe Kolbe
Q-Index Code B1
Q-Index Status Confirmed Code
Institutional Status Unknown
Additional Notes Translated Book title: 'The core from the outside: The German lyrics of the 21st Century' & Chapter title: 'Water imagery, Eye language and Poetology in Uwe Kolbes' poems 'The colors of the water'.

 
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Created: Fri, 03 Apr 2009, 12:30:11 EST by Jo Grimmond on behalf of School of Languages and Cultures